vendredi 20 juin 2008
Homo Sovieticus
jeudi 22 mai 2008
Viktor Jerofejew am 23. Mai 2008 in der Böll-Stiftung Berlin
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Viktor Jerofejew, Schriftsteller, Moskau
Ralf Fücks, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
aus Viktor Jerofejews Roman liest: Irina Sommer
„Ich hatte eine schöne stalinistische Kindheit“, schreibt Viktor Jerofejew in seinem 2004 erschienenem Buch „Der gute Stalin“. Halb Roman, halb autobiographischer Essay, schildert Jerofejew darin seine persönliche, familiäre Erfahrung mit dem sowjetischen Diktator, die im Kontrast zu der vieler anderer Millionen Sowjetbürger gar nicht schrecklich war. Als Sohn eines sowjetischen Diplomaten und Stalin-Übersetzers lebte Jerofejew „ein liberales, luxuriöses Leben mit vielen Privilegien“ inmitten der stalinistischen Schrecken.
Jerofejew ironisiert eine widersprüchlich Erfahrung, die viele Sowjetbürger und ihre Kinder und Enkel noch heute mit sich herum tragen: hier der siegreiche vaterländische Krieg gegen Hitlerdeutschland und ein enormer wirtschaftlicher Modernisierungsprozess, dort der große Terror und der GULAG.
http://www.boell.de/navigation/index-539_35313838.html
vendredi 25 avril 2008
Filmfestival "filmPOLSKA" in Berlin 23.-30. April 2008
filmPOLSKA wird auch in diesem Jahr von einem Dokumentarfilm-Workshop Pop oder Klassik für junge Filmemacher begleitet. An unterschiedlichen Festivallocations wie dem Filmtheater Hackesche Höfe, den Neuen Kant Kinos, dem Filmmuseum in Potsdam, dem Club der polnischen Versager oder dem Filmclub K18 erwartet Sie ein vielseitiges und spannendes Programm.
http://www.filmpolska.de/FilmPolska%202008/filmpolska_intro.html
Katyń
Im Jahre 1940 wurden 20.000 polnische Offiziere und Intellektuelle von Einheiten des sowjetischen Geheimdienstes in Katyń exekutiert. Das Filmdrama beginnt am 17. September 1939, als Polen vom Westen her, von der Wehrmacht und SS und vom Osten aus von den Sowjets angegriffen wurde und das im Hitler-Stalin-Pakt festgelegte Schicksal Polens endgültigt besigelt war. „Katyń“ erzählt die Geschichte eines Kriegsverbrechens, das auch nach Kriegsende seine Opfer fordert. Andrzej Wajdas Tragödie ist ein Verarbeitungsversuch eines nationalen Traumas und ein Gegenzeugnis zu der offiziellen sowjetische Geschichtsversion, die das Massaker noch bis 1990 den Nazis zuschrieb.
Andrzej Wajda, geb. 1926, Studium an der Akademie der Künste in Kraków, Regiestudium an der Filmhochschule in Łódź (PWSFTviT); Film- und Theaterregisseur; Mitglied des Institut de France – Academie des Beaux-Arts, Mitglied der Europäischen Filmakademie; Erhielt weltweit zahlreiche Auszeichnungen auf Filmfestivals, u.a. die Goldene Palme in Cannes (1981) und einen Oscar für sein Lebenswerk (2000). Gründer der Andrzej Wajda Filmschule in Warschau (2002).
Hackesche Höfe Filmtheater 25.04., Fr. 20:00; 27.04., So. 17:30
vendredi 11 avril 2008
Dina BLOND über Bini Adamczaks "Gestern Morgen" (2)
Da sitzen also Kommunisten (oder auch Stalinisten) im Knast, die meisten werden gefoltert, und die denken, dass sich das um einen Irrtum handelt, dass es sich schon aufklären wird ... etc. Deshalb steckt in dem Abnehmen des Stalinporträts – wie Adamczak es beschreibt - eine krasse Emanzipation, die sich dem Betrachter gar nicht entdecken kann, der das nicht kennt.
Die kommunistische, klassenkämpfende oder/und sozialistische Bewegung - bestehend aus Menschen, denn es geht hier ja schließlich um Menschheitsgeschichte - war sich immer darüber bewusst, dass sie etwas anstrebt, das es noch nicht gegeben hatte. Und das ist mehr als mit Waffen zur richtigen Zeit an der richtigen Ecke stehen und in die richtige Richtung gucken und gegebenenfalls loslaufen. Oder nach Brecht: Nach den Mühen der Berge die Mühen der Ebene. Diese Ebene wurde angestrebt, und sie wurde - und das halte ich jetzt wirklich für die pure Wahrheit, das kann man nachlesen in allen Romanen, ob Wasserkraft oder nicht - nicht für unwichtig gehalten. Diese Ebene hatte es in sich, auch in der Vorstellung der Menschen. Das war der Einstieg. Wenn du das als Mensch verinnerlicht hast, dann misstraust du dir und deinem Urteil zu recht. Denn: das ist ja noch aus der zu überwindenden Zeit. Als Materialist weißt du ja: Die ökonomische Basis entwickelt sich schneller als der dazu gehörige Überbau: deine Gedanken, Urteile, Werte, Moral... Deshalb standen Menschen, klug und begabt, da, und zweifelten an ihren eigenen Urteilen. Deshalb konnten sie glauben: die Tscheka ist außer Rand und Band geraten, die Partei weiß davon nichts...
Dina Blond
Nachdenken über Bini Adamczaks "Gestern Morgen" (2)
Eine Frage, die sich im Zusammenhang mit dem Buch stellt, ist die der verarbeiteten Desillusion/Trauer um etwas neues denken zu können. Wie wir auch schon länger überlegt haben: Wie gehen Menschen, die sich selbst als Kommunisten verstehen mit dem Stalinismus um? Vor allem, wenn der Mainstream mit dem Wort Kommunismus mit dem Stalinismus gleich setzt? Im Zeitalter des Antitotalitarismus. Bini Adamczak spricht vor allem den wichtigen Gedanken aus, dass nur heutige Kommunistinnen der ermordeten Kommunistinnen angemessen gedenken können
Vielleicht ist es auch eine Herausforderung an die Forschung, den Außenblick von Kommunistinnen auf die UdSSR zu erforschen, zu analysieren, zu dekonstruieren um weiter zu gehen, um betrachten zu können, ob, wie und warum Gegenwart, Geschichte und Illusion verbunden sind. Dies mit den postmodernen Instrumenten mit nichtrussischen Quellen zu tun, dürfte doch ein Spaziergang sein.
lundi 7 avril 2008
Dina BLOND über Bini Adamczaks "Gestern Morgen"
Für mich - wie sehr es Dich betrifft, weiß ich gerade nicht - ist es nach der Lektüre der Erscheinungsform der Menschen in der Sowjetliteratur plus "Stalinismus für Kinder" à la papa die Frage: Wie sind die Subjekte das geworden, was sie sind? Also: es stellt sich hier mal ganz dringend die Frage nach dem Homo sovieticus. Wie war er wirklich? Wie kam es dazu? Und was finden wir daran gut, was weniger? Die Frage nach der Subjektkonstitution und dem Verhältnis zur Emanzipation. Wie kann man sich die Emanzipation überhaupt vorstellen, wenn man in der UdSSR zu einem beliebigen Zeitpunkt geboren wurde?
Für mich angenehm überraschend: Diese Frage von anderen Menschen genau so gedacht zu hören. Obwohl sie scheinbar nicht einen einzigen Roman aus der SU jemals auch nur von außen gesehen haben!
Außerdem auch für mich als Verehrerin eines gewissen revolutionären Pathos wichtig: Der Optimismus, der immer wieder aufsteht und den man braucht, um überhaupt noch den Wunsch nach einem emanzipativen Gedanken zu verspüren -von den Kollegen dort Messianismus (mit oder ohne Messias - da waren sie sich noch nicht einig diskursiv) nach Derrida genannt - wurde thematisiert. Genau genommen: postmodern aber richtig gedacht. Kurios.
Dina BLOND